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ADHS: Umgang mit Geld, Impulsen und gemeinsamen Regeln

Paar trägt gemeinsam einen Korb mit Gemüse über einen sonnigen Wochenmarkt

Im Laden lag sie da, die Kamera, von der du schon lange geträumt hast. Ein paar Klicks oder ein kurzer Gang zur Kasse, und sie war deine. Die Freude hielt genau bis zum Abend. Dann kam der Blick aufs Konto, oder die Frage der anderen Person: „Hatten wir nicht gesagt, dass wir sparen?“

Geld ist in vielen Beziehungen ein heikles Thema. Wenn eine Person ADHS hat, kommt oft noch etwas dazu. In diesem Beitrag geht es darum, was hinter spontanen Käufen stecken kann und wie ihr gemeinsam einen guten Umgang mit Geld bei ADHS findet. Was ihr tun könnt, wenn es im Streit hochkocht, haben wir in einem eigenen Text gesammelt.

Was die Forschung sagt

Eine Studie aus Island hat 2024 mit Fragebögen 225 Erwachsene mit ADHS und 121 Studierende verglichen. Die Gruppe mit ADHS berichtete häufiger von Impulskäufen [1]. Sie gab außerdem an, Belohnungen schlechter aufschieben zu können. Genau diese geringere Fähigkeit zum Aufschieben erklärte in der Studie den Zusammenhang zwischen ADHS-Symptomen und Impulskäufen [1].

Vereinfacht gesagt: Was später kommt, wirkt im Moment schwächer. Der Urlaub im nächsten Sommer hat gegen die Kamera im Schaufenster einen schweren Stand.

Das ist eine Erklärung. Der Ärger der anderen Person bleibt trotzdem verständlich, denn gemeinsames Geld betrifft euch beide.

Warum Geld so viel Streit auslöst

Beim Geld geht es selten nur um Zahlen. Es geht um Sicherheit, um Pläne und um Vertrauen. Wenn die andere Person sich Sorgen macht, steckt dahinter oft der Wunsch, dass ihr gemeinsam gut aufgestellt seid.

Für dich kann ein Gespräch über Geld schnell nach Vorwurf klingen. Vielleicht kennst du das Gefühl, dich rechtfertigen zu müssen. Hier hilft es, das Thema aus dem Moment herauszunehmen und in Ruhe darüber zu reden.

Umgang mit Geld bei ADHS: Eine gemeinsame Regel

Viele Paare finden es hilfreich, eine einfache Regel für größere Ausgaben zu vereinbaren. Eine Idee ist: Ab einem bestimmten Betrag schläfst du eine Nacht darüber, bevor du kaufst. Den Betrag legt ihr gemeinsam fest, und er sollte zu eurer Lage passen.

Diese Regel ist ein Vorschlag aus der Praxis. Eine eigene Studie, die genau diese Regel bei ADHS prüft, gibt es nicht. Sie passt aber zu dem, was die Forschung zeigt: Wenn zwischen Wunsch und Kauf etwas Zeit liegt, hat der spätere Nutzen eine bessere Chance.

So könnt ihr vorgehen:

  • Sprecht in einem ruhigen Moment über Geld. Wählt eine Zeit, in der keiner von euch angespannt ist, also eher nicht direkt nach einem Kauf.
  • Legt einen Betrag fest. Unterhalb dieser Grenze entscheidet jeder frei. Darüber gilt die Regel mit der Nacht.
  • Schreibt die Regel auf. Was nur gesagt wird, geht bei ADHS leichter verloren [2]. Eine Notiz im Handy oder ein Zettel am Portemonnaie hilft.
  • Gönnt euch beiden einen freien Betrag. Jeder von euch hat jeden Monat eine Summe, über die niemand Rechenschaft ablegen muss. Das nimmt viel Druck aus dem Alltag.
  • Schaut regelmäßig gemeinsam aufs Konto. Einmal im Monat genügt. So bleibt niemand mit Sorgen allein.

Wenn es doch passiert ist

Es wird Tage geben, an denen die Regel nicht greift. Dann hilft es, ehrlich zu sein. Sag lieber selbst, dass du etwas gekauft hast, als zu warten, bis es auffällt. Das schützt das Vertrauen zwischen euch.

Überlegt gemeinsam, ob sich der Kauf rückgängig machen lässt. Und schaut, was die Regel beim nächsten Mal leichter macht. Vielleicht braucht es eine Erinnerung im Online-Shop oder eine Absprache, Kartendaten nicht im Browser zu speichern.

Freundlich mit dir sein

Viele Menschen mit ADHS schämen sich für spontane Käufe. Scham macht es aber schwerer, offen darüber zu sprechen. Erinnere dich daran, dass du nicht der erste Mensch mit diesem Muster bist. Du kannst etwas verändern, Schritt für Schritt. Kleine Wenn-dann-Pläne können dabei eine Stütze sein, etwa für euren monatlichen Blick aufs Konto.

Wenn Geldsorgen euch über den Kopf wachsen, ist Unterstützung von außen sinnvoll. Eine Schuldnerberatung oder eine Paarberatung kann helfen, wieder Boden unter die Füße zu bekommen.

Wenn es ernst wird

Wenn es bei euch Gewalt gibt, du Angst vor der anderen Person hast oder an Suizid denkst, ist ein Ratgeber nicht der richtige Ort. Auf unserer Seite Krisenhilfe findest du Stellen, die dich beraten. In akuter Gefahr erreichst du die Polizei unter 110 und den Rettungsdienst unter 112. Die TelefonSeelsorge ist rund um die Uhr unter 0800 1110111 oder 0800 1110222 erreichbar.

Über uns

Wir arbeiten an „Wir“, einer App für Paare, bei denen eine Person ADHS hat. Sie ist dafür gedacht, Aufgaben gemeinsam zu verteilen und in schwierigen Momenten gut miteinander zu sprechen. Mehr dazu findest du auf unserer Startseite.

Dieser Beitrag erklärt und gibt Anregungen für den Alltag. Er ersetzt keine Diagnose, keine Therapie und keine Paarberatung.

Quellen

  1. Einarsson, S. B., Sigurðsson, B. H., Kjartansdóttir, S. H., Magnússon, P. und Sigurðsson, J. F. (2024). Impulsive Buying and Deferment of Gratification Among Adults With ADHD. Clinical Psychology in Europe, 6(3): https://doi.org/10.32872/cpe.9339
  2. Alderson, R. M., Kasper, L. J., Hudec, K. L. und Patros, C. H. G. (2013). Attention-deficit/hyperactivity disorder (ADHD) and working memory in adults: A meta-analytic review. Neuropsychology, 27(3), 287 bis 302: https://doi.org/10.1037/a0032371
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